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2021 – ein weiteres Jahr der Ungewissheit in den Konzertplanungen des Fördervereins

Liebe Musikbegeisterte in den Kirchen Bordesholms!

Die Pandemie bedroht uns. Sie droht auch unsere Kultur weitgehend zu ersticken, und so mussten wir im vergangenen Jahr als kleiner Verein mit wenig finanziellem Spielraum unsere sämtlichen Frühjahrs- und Herbstkonzerte absagen. Doch wir wollen für dieses Jahr 2021 neu planen. Denn planen heißt ja hoffen und leben auch unter den Ungewissheiten einer sich asymmetrisch entwickelnden Pandemie. Wir müssen dies allerdings vorsichtig tun. Und so haben wir „nur fünf“, aber immerhin fünf mögliche Konzerte ins Auge gefasst.

Drei Konzerte sollen im Sommer stattfinden. Wir vom Förderverein möchten gerne im Rahmen der von Nils Claussen konzipierten und durchgeführten Veranstaltungsreihe „500 Jahre ‚Bordesholmer Altar‘“ die für den 28. August geplante „Brüggemann-Nacht“ mit ihrem „bunten“ Programm durch ein Konzert mit Musik aus der Zeit um 1500 bereichern, mit Kompositionen etwa so bedeutender Hofmusiker wie Heinrich Isaak, der am Innsbrucker Hof der Habsburger lebte, oder von Josquin Desprez, der in der Hofkapelle Herzog Renés d’Anjou oder König Ludwigs IX. von Frankreich tätig war.

Da das Schleswig-Holstein-Musikfestival in diesem Jahr leider einen Bogen um Bordesholm machen wird, soll möglicherweise ein kleiner Ersatz im Rahmen des Schubert-Schwerpunktes geschaffen werden. Und die Kantorei der Klosterkirche hofft ebenfalls auf eine kleinere Veranstaltung zur Musik Antonio Vivaldis. Beide Aufführungen sollen im Freien vor der Klosterkirche stattfinden. Der Termin ist noch unbestimmt.

Doch dies ist neben den Unwägbarkeiten aller Planung unmittelbar davon abhängig, ob das Corona-Virus und seine Mutanten uns dies auch erlauben werden.

Das Gleiche gilt auch für unsere Konzerthoffnungen im Herbst und im Winter. Am 7. November wird es möglicherweise ein Herbstkonzert in der Christuskirche geben. „An die Nachgeborenen“, heißt das Programm des Trios Julia Barthe, Sopran, Inés Fabig, Rezitation, und Gerd Jordan, Klavier. Das Konzert wartet mit Liedern und Gedichten zu Verfolgung, Vernichtung, Exil und Befreiung des Schönberg-Meisterschülers Hanns Eisler nach Texten verschiedener Dichter, vor allem von Bertolt Brecht, auf. Das Pandemiejahr 2021 möge dann am 12. oder 30. Dezember mit dem Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach und der berechtigten Hoffnung ausklingen, die Pandemie hinter uns und das Virus fürs erste in seine Schranken gewiesen zu haben.

Wir vom Förderverein wünschen Ihnen alles Gute für dieses Jahr, Gesundheit vor allem. Drücken Sie sich und uns die Daumen, dass wir entlang einer endlich erfolgreicheren Impf- und Teststrategie diese Konzerte auch verwirklichen können.

 

Herzliche Grüße!

Prof. Dr. Dr. h.c. Gerhard Fouquet, 1. Vorsitzender,
und Günter Brand, Nils Claussen, Reimer Garleff, Sabine Gliesmann, Gisela Scheel und Anna Struck-Berghäuser

 

Frage an den Vorstand:

Im vergangenen Jahr und bis auf weiteres konnte und kann der Förderverein seine Konzertreihen nicht anbieten. Haben Sie persönlich in dieser „konzert- und musiklosen“ Zeit einen Ausgleich für sich gefunden? Hast Du etwas Spannendes entdeckt? Gab es Verzicht oder doch auch Neues, Anderes, das anzuhören sich für Sie oder für Dich als lohnend herausgestellt hat?“

Und hier die Antworten:

Nils Claussen:
Es gibt viel Kreatives und Anregendes im Internet zu entdecken, aber alles ist keine Alternative zu Live-Konzerten hier vor Ort. Es fehlt mir nicht nur die Musik, sondern auch der Kontakt zu Musikern und Konzertbesuchern, das gemeinsame Erlebnis und das Miteinander.

 

Günter Brand:
In dieser Zeit vermisse ich das gemeinschaftliche Chorsingen besonders. Kinderchor und Kantorei proben über Zoom, ich sitze zuhause am Flügel. Wir winken uns zu, aber wir treffen uns nicht. Orgelaufnahmen auf Soundcloud und Musikproduktion mit Cubase sind neue Ideen, und ich habe auch mit Posaunespielen angefangen.

 

Prof. Gerhard Fouquet:
Als Kind in einem Dorf in der Pfalz aufgewachsen, entdeckte ich am Klavier meiner Mutter die Musik. Der fordernde Beruf hat das eigene Musizieren am Klavier und mit der Posaune leider stark verdrängt, aber Musik zu hören ist für mich wie das tägliche Brot. Die Pandemie hat mir das unmittelbare Erleben von Oper, Konzert und die Begleitung unserer Konzerte in Bordesholm genommen wie allen anderen auch. Mein Sohn hat mir kurz zuvor einen kleinen Lautsprecher mit wunderbar großräumigem Volumen geschenkt, so dass ich mein bunt zusammengestelltes Lieblingsprogramm über das Internet bei der Schreibtischarbeit erleben kann. Das geht nicht an jedem Tag und nicht bei jeder Arbeit, aber doch sehr oft. Eine der Entdeckungen der letzten Wochen in dem unendlichen Musikangebot weltweit war der Komponist Alfred Schnittke. Seine vier Klavierkonzerte kann ich nur empfehlen. Ich hoffe, dass ich ein Schnittke-Konzert bald im unmittelbaren Erleben von Musikerinnen und Musikern sehen und hören kann und freue mich auf das nächste Jahr mit unseren Frühjahrs- und Herbstkonzerten in Bordesholm.

 

Reimer Garleff:
Die Coronazeit ist leider eine konzertarme Zeit. Mir fehlen besonders die Konzerte und dann auch besonders die Kontakte mit den Konzertbesuchern. Persönlich habe ich in dieser Zeit die Kontakte über das Telefon intensiviert und mir so auf diese Weise intensiv Zeit für Gespräche genommen.

 

Sabine Gliesmann:
Ich staune, was im Netz auf einmal an Musikprojekten auftaucht! Ob nun Choraufnahmen, die einzeln aufgenommen zusammengeschnit-ten eine berührende Dynamik entfalten, oder Home-Konzerte, von Künstler:innen im heimischen Wohnzimmer aufgenommen – toll! Eine Möglichkeit, digital an die „Vor-Corona-Zeit“ anzuknüpfen, ist der wöchentliche Live-Stream aus dem Institut für Musikwissen-schaften der Uni Kiel. Die Mittwochskonzerte gibt es seit einiger Zeit in digitaler Form – und die Reihe startete im Frühjahr sogar früher als gewöhnlich schon in der vorlesungsfreien Zeit. Kreative Aktionen wie diese waren doch vor Corona nicht denkbar! Ich hoffe sehr, dass uns dieses bunte Spektrum auch in Nach-Pandemie-Zeiten erhalten bleibt.

 

Gisela Scheel:
Es ist ein Sonntag im Frühjahr, es sind 5 Minuten vor 17 Uhr: die Kirchenglocken läuten nicht, sie laden nicht zu einem Frühjahrskonzert ein. Und keine Künstler singen oder spielen, kein Zuhörer nähert sich dem Kirchenausgang und sagt auch nicht: „Das war ja wieder ein wunderbares Konzert!“
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